Ritalinzombie anstelle vernünftiger therapeutischer Ansätze …

Ich schwebe gerade auf Wolke 7, da kommt ein Anruf. Ich traue meinen Ohren nicht. Es ist Frau
Müllermayer (Name geändert) und sie sagt den morgigen Erstdiagnostiktermin ab. Es ist
nicht die Absage an sich, die mich traurig macht. Es ist die Begründung. Der Vorstellungsgrund,
warum die Mutter ursprünglich zu mir kommen wollte, sei die mangelhafte Konzentration in der
Schule. Sie erzählte auch, dass ihr Sohn immer so laut sei.

Allein diese Aussage lässt mich vermuten, dass etwas mit dem Hören sein könnte. Wer schlecht
hört, redet laut, das ist Tatsache. Bestimmt ist Ihnen schon aufgefallen, dass Menschen, die mit
dem Handy in der U-Bahn telefonieren, so laut sprechen, dass der *ganze Waggon* die gesamte
Lebensgeschichte mithören kann. Einfache Erklärung: Schlecht hören wegen Umgebungslärm –
unser Hörsystem will sich selbst gut hören – daher wird unbewusst selber laut gesprochen. Das ist
ein Automatismus.

 

©przemekklos photocase.de

Nun, ich habe leider nicht immer sofort einen Termin, deswegen passierte es. Zwischenzeitlich –
so die Mutter – sei dem Buben ADS, das Aufmerksamkeitsdefizit, bescheinigt worden. Der
Kinderarzt habe Ritalin verschrieben.

Ich kenne wohl ganz, ganz wenige Fälle, wo eventuell Ritalin eine hilfreiche Maßnahme sein
könnte. Aber bei einer Hörwahrnehmungsschwäche ist es meines Erachtens absolut
unverantwortlich. Das müsste vorher abgeklärt werden. Mein Herz weint! Wieder wird ein Kind wegen Konzentrationsschwäche bzw. möglicherweise wegen Hörverarbeitungsschwäche zu einem Zombie gemacht.

Liebe Grüße,

Franzi